Krippenfreunde Tirschenreuth e.v.

1.Forster-König-Krippe

(1920-1930)

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Die Krippe ist eine Schenkung von Frau Agnes König geb. Forster aus der Tirschenreuther Ringstraße.

 

Sie besteht aus ca. 100 Figuren. Diese dürften zum größten Teil von den beiden Schnitzern Ferdinand Beer alias Sammet-Ferdl (1865-1946) und Karl Ziegler (1878-1942) stammen. Vergleicht man die Schnitzart der beiden Künstler, so fällt auf, dass die Figuren von Ziegler filigraner, mehr dem Nazarener Stil ähnlich sind. Anders die Darstellungen vom Sammet Ferdl, sie sind rustikaler. Die Hirten und ein Teil der Schafherde, die einen größeren Teil der Landschaft beansprucht, dürften aus seiner Hand sein. Auch die beiden „Schaf-Stückla“ sollten von ihm sein. Die Geburt, die Anbetung und die Jagdszenen, die teilweise sehr gut ausgearbeitet sind, können jedoch Karl Ziegler zugeordnet werden. Typisch für Ziegler sind auch die Gloria-Engel auf dem Dach der Geburtsstätte. Ein Tirschenreuther Merkmal ist dazu in der Beschneidungsszene im Tempel zu erkennen. Ein jüdischer Rabbi mit zwei katholischen Ministranten. Auffallend auch die große Anzahl an Hirschen und Schafen. Letztere werden oft auch als „Schnee der Krippe“ bezeichnet. Da die Figuren nicht signiert sind, kann man ihre Herkunft nur durch Vergleiche bestimmen.

 

Insgesamt sind die Figuren recht einfach gehalten. Dies mag ihrer Herkunft geschuldet sein, sie stammen aus einem Haus am „Grom“, wie die Ringstraße früher einmal genannt wurde. Hier wohnten einst die einfacheren Leute, was für die Gegenwart natürlich nicht mehr gilt. Auch die beiden Schnitzer lebten in dieser Straße, in unmittelbarer Nähe zum Haus der Familie Forster. Die Landschaft dazu haben die Krippenfreunde erstellt. Das Hintergrundbild malte Richard Böhm (1935-2015) aus Lohnsitz.

 

2. Schön-Boder-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Als seinerzeit die Schön-Krippe von den Krippenfreunden gekauft wurde, waren alle ca. 400 Figuren in einer Krippe zusammen aufgestellt. Der Verein machte daraus zwei Krippen:

 

-Die alte Schön-Krippe (Vitrine 3) mit ca. 80 Figuren stammt mitunter aus dem 19. Jahrhundert und dürfte von Franz Joseph Schön (1851-1928), dem „Gowerl-Schouster“ selbst geschnitzt, bzw. erworben worden sein.

 

-Die neue Schön-Krippe, die „Schön-Boder-Krippe (Vitrine 2) besteht aus Exponaten von Alois Schön (1922-1990) und seiner Ehefrau Anneliese Schön (1928-2003). Der „Schön Boder“, so wurde er von der Bevölkerung genannt, betrieb mit seiner Frau ein Friseurgeschäft in der Regensburger Straße 1, gegenüber dem alten Musl-Kino.

 

Seine 10-12cm hohen Figuren sind etwas derber gehalten, haben daher den typisch bäuerlichen, kantigen aber ehrlichen Charakter, der in vielen Oberpfälzer Krippen zu finden ist. Die Motive seiner „Manndla“ und „Stückla“ sind aus dem täglichen Leben; aber auch aus Illustrierten, Zeitungen und einschlägigen Büchern holte er sich seine Anregungen. Fast alle seine Figuren zeigen das bäuerliche Leben um die Jahrhundertwende, 19./20. Jahrhundert.

 

Besondere Aufmerksamkeit verdient wohl die Heilige Dreifaltigkeit. Ein weiteres „Stückl“ mit einer Kuh und deren Kalb, zeugt von der besonderen Beobachtungsgabe des Schnitzers. Während das Kalb säugt, wird es von seiner Mutter liebevoll beleckt.

 

Der Krippenberg wurde von Alfred Mehler, Horst Haidl und Günter Stammwitz nach alten Fotos nachgebaut. Dabei wurden nur die zur damaligen Zeit gebräuchlichen Materialien, wie Rinde, Wurzeln, Nadelholzzweige und Moos, verwendet.

 

3. Alte Schön-Krippe

Gowerl-Schouster-Krippe

 

Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Die Figuren der Krippe stammen mitunter aus dem 19. Jahrhundert und dürften von Franz Joseph Schön (1851-1928), dem „Gowerl-Schouster“ selbst geschnitzt, bzw. erworben worden sein. Er wohnte nach seiner Heirat mit der Leinweberstochter Viktoria Vasall einige Zeit im Haus seiner Schwiegereltern am Unnaplatz. Seine Nachbarn waren die Bildhauer Joseph Hautmann (1813-1891) und Sigmund Stock (1822-1899). Vielleicht hat er durch diese Kontakte den Weg zur eigenen Krippe gefunden. Figuren von den Bildhauern befinden sich jedoch nicht darunter.

 

So genannte „Stückla“, das sind kleine Szenen, die aus einem Stück herausgeschnitzt worden sind, befinden sich nur wenige unter den alten Figuren. Einige „Mandla“ (Figuren) verdienen es näher betrachtet zu werden. So sind unter anderem der König Melchior und der Heilige Josef besonders schön ausgearbeitet, ebenso ein Geißbock und eine Gämse. Ziemlich einzigartig dürfte ein „Stückl“ sein, bei dem zwei Männer schützend ihre Hände vor eine Frau halten.

 

4. Maurus-Fuchs-Papier-Krippe (Reprint)

(2015)

 

Eigentümerin: Renate Kühn, Tirschenreuth

 

Hier ist die Maurus-Fuchs-Krippe dargestellt. Leonhard Kühn (1942-2021) ließ sich Kopien in halber Größe anfertigen, um eine eigene Papierkrippe nach dem Vorbild des Kirchenmalers zu haben. Johannes Möstl übernahm das Kopieren und Leonhard Kühn schnitt dann in geduldiger Fleißarbeit die Figuren aus. Der Stall ist aus Rinden hergestellt. Über der Krippe schwebt die Engelschar. Zwischen den Bäumen im Hintergrund steht ein Papierdom. Vorne wird die Krippe durch einen Rokokogarten begrenzt. Ein prächtiger Königszug, aber auch das Leben der Bevölkerung wird farbenprächtig gezeigt.

 

5. Schedl-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

 

Auch eine an Figuren recht reichhaltige Krippe. Die Darstellungen stammen von Tirschenreuther-, Plößberger- und böhmischen Schnitzern. Auffällig ist der Königszug, den der Plößberger Künstler Baptist Horn (1846-1919) geschaffen hat. Von ihm bevölkern auch noch andere „Mandla“ die Krippenlandschaft.

 

Auch hier ist die typische Vermischung der Stile in Tirschenreuhter Krippen zu finden: Burgen des Mittelalters umrahmen die orientalische Stadt Jerusalem auf dem Hintergrundbild. Das Heilsgeschehen ist zentral angeordnet. Der Stall hat die typisch Tirschenreuther Eindeckung mit Ähren. Diese versinnbildlichen, dass Jesus das Brot des Lebens ist. Darüber zwei Engel, die der Papierkrippe nachempfunden sind. Interessant auch der Kindermord, der rechts stattfindet.

 

Vom Umfang, von der Größe und Qualität ist diese Krippe mit das Beste was Tirschenreuth zu bieten hat.

 

Zur ihr gehören drei Tempel, auch ausgestellt sind.

6. Tempel der Schedl-Krippe

 

Eigentümer: Avid Rosa, Pfreimd

 

 

Tempel links: Vier goldene Rundsäulen auf kurzen, quaderförmigen Sockeln bilden die Front eines reich dekorierten halbrunden linken Tempels. Darin wird die „Belehrung im Tempel“ dargestellt. In der Mitte des Gotteshauses steht der zwölfjährige Jesus auf einem orientalischen Teppich und unterrichtet sechs staunende Schriftgelehrte, die den Knaben in gebührendem Abstand umrahmen. Vor dem Tempel weidet ein Hirte seine Schafe.

 

Palast Mitte: „Die Hochzeit zu Kana“ wird im zweiten Gebäude gezeigt. Zum Palast führen Treppen. Zehn goldene, ionische Säulen bilden den Saal, durch den im Hintergrund eine südländische Landschaft zu sehen ist. Der Tempel wirkt durch Säulen und Goldkugeln auf dem Kapitel besonders prächtig. Links vom Tisch spielt eine Blaskapelle in heimischer Tracht, im Gegensatz zur orientalischen Tracht des Brautpaares. Rechts sind Maria und Jesus während der Weinvermehrung. Vor dem Palast verstärkt ein Rokokogarten mit dem Neptunbrunnen die Pracht des Gebäudes. Der Tempel ist dem der Papierkrippe nachempfunden. Signiert 1849.

 

Tempel rechts: Eine Allee führt zum dritten Tempel in dem die Beschneidung dargestellt ist. Die gewölbte Decke ruht auf sechs mächtigen Säulen. Die Beschneidung übernimmt ein katholischer Bischof mit Mitra. Daneben zwei jüdische Priester, die von christlichen Ministranten begleitet werden. Anachronismus pur. Auch das sind typische Merkmale Tirschenreuther Krippen.

 

Das Hintergrundbild ist eine bergige Fantasielandschaft mit einem See des Malers Franz Paul Jaghörl (1812- 1871).

7. Dr. Schön-Krippe

 

Eigentümer: Dr. Max und Doris Schön

 

 

Diese Simultankrippe ließ sich die Familie Dr. Max Schön zwischen 2010 und 2015 schnitzen. Robert Schneider schuf die rund 80 Figuren und fasste sie. In der Krippe sind viele, für Tirschenreuth wichtige, „Mandla“ zu finden. Unter anderen sieht man den Muffträger, den Apfeldieb, den Goaßreiter, den Goaßtratzer, aber ebenso eine Gruppe böhmischer Musikanten. Auch der Kindermord fehlt nicht. Die Landschaft hat Dr. Max Schön selbst gestaltet. Typisch für Tirschenreuther Krippen erhebt sich ein mehrstufiger Krippenberg, der zugleich den Hintergrund der Krippe bildet.

 

 

Die erste Anhöhe zeigt Maria und den Verkündigungsengel; ebenso den Sterndeuter und die Hirten, denen der Engel von der Geburt Jesu berichtet.

 

 

Auf der zweiten Stufe des Berges sind die Handwerker und Jäger verortet. Oben spannt sich ein schmales Brückchen über eine tiefe Schlucht. Der ängstliche Brückenschleicher versucht sie vorsichtig zu überqueren, indem er sich mit beiden Händen am Geländer festhält.

 

 

Auf dem Bergplateau erstreckt sich eine Wüstenlandschaft mit einer Karawane. Das Besondere daran ist, dass die Kamelkarawane aus Olivenholz geschnitzt ist. Sie wurden anlässlich einer Pilgerreise im Heiligen Land gekauft. Das Gelände vor dem Krippenberg ist moosbedeckt. Hier findet sich, als Zentrum der Darstellung, die Geburtsstätte mit der Heiligen Familie. Der Stall wurde in einfacher Bauweise gefertigt und hat ein mit Ähren gedecktes Dach. Die Ähren versinnbildlichen, dass Jesus das Brot des Lebens ist. Der Königszug wird von einem schwer beladenen Elefanten und zwei Kamelen begleitet. Eine eher seltene Darstellung sind Löwe und Lamm in friedlicher Gemeinschaft. Sie gehören zur Prophezeiung des Jesaia, in der dieser das künftige Paradies beschreibt.

 

8. Kasten-Jahres-Krippe

 

Eigentümer: Alfred Mehler, Tirschenreuth

 

Diese Kasten-Krippe ist über mehrere Generationen bei Alfred Mehler angekommen. Zuerst erstanden wurde sie von Josef Wenning (1840-1917), einem Lehrer, der Ehrenbürger der Stadt Tirschenreuth war.

 

Eine Pietà beherrscht das Bild. Dahinter ein vergoldetes Kreuz mit zwei Engeln, die auf das Leid von Maria hinweisen.

 

Unten, in der Geburtsgrotte, die Heilige Familie, die von zwei Engeln begleitet wird. Der Krippenberg besteht aus verschiedenen Häusern mit einem Hintergrundbild, welches den Himmel darstellt.

 

Wer die 16 gefassten Holzfiguren geschaffen hat, ist unbekannt. Jedoch fällt auf, dass sie sehr filigran gehalten sind.

 

Entstanden dürfte die Simultankrippe gegen Ende des 19. Jahrhunderts sein.

 

9. Die Ankündigung des Messianischen Reiches, Jesaja 11

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Die Idee, eine Kastenkrippe zu diesem Thema zu bauen, entstand im Jahre 2008. Die beiden Initiatoren hierzu waren Alfred Mehler und Robert Scharnagl. Mehler erinnerte sich, dass solche Szenen auch in einigen Tirschenreuther Krippen vorhanden waren. Die Figuren und der Aufbau wurden von Robert Schneider gefertigt.

 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass dieses Thema eigentlich nichts mit der Weihnachtsgeschichte zu tun hat. Dennoch, im Alten Testament, Jesaja (11, 1-16), wird durch den Propheten schon auf die spätere Geburt Christi hingewiesen. Die Wüste, Gegenbild zum Garten, wird zum Ort der Versöhnung und Heilung. Die wilden Tiere, die konkreteste Gestalt der Bedrohung des Menschen durch die Rebellion der Schöpfung und durch die Macht des Todes, werden zu Freunden wie im Paradies. Jener Friede ist wiederhergestellt, den Jesaja für die Zeiten des Messias ankündigte: „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein …“

 

In dem Moment, da Gottes Sohn geboren wird, kehren für einen kurzen Augenblick in der Welt wieder paradiesische Zustände ein.

 

Diese Prophezeiung ist Thema am 2. Advent in der 1. Lesung der Heiligen Messe.

 

10. Toni-Wild-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde Tirschenreuth

 

Anton Wild besaß einige alte Krippenfiguren. Deswegen entwickelte er die Idee, durch Erweiterungen, eine gänzlich neue Krippe zu schaffen. Die alten Figuren sind zwar nicht signiert, jedoch aufgrund ihrer Ausarbeitungen, wahrscheinlich den beiden Bildhauern Josef Hautmann (1813 - 1891) und Sigmund Stock (1822 - 1899) zuzuschreiben. Die beiden Künstler wohnten im Nachbarhaus der Familie Wild. Vervollständigt wurde die Krippe mit Figuren von Max Kumeth und Robert Schneider aus Tirschenreuth.

 

Nach dem Tod von Anton Wild hat dessen Tochter, Martina Wild, die Krippe dem Verein überlassen. Die Krippenfreunde haben die Figuren in eine entsprechende Landschaft gesetzt.

 

11. Wenning-Josef-Mehler-Krippe

 

Eigentümer: Familie Mehler

 

Joseph Mehler erwarb die Krippe um 1925 von Anna Mehler, geborene Wenning. Diesen Schatz bekam sie zur Hochzeit mit Ludwig Mehler, von ihrem Vater Joseph Wenning. Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass diese Krippe, nicht wie so viele andere zerteilt oder veräußert wurde, sondern heute in voller Pracht hier ausgestellt werden kann.

 

Die Krippe zeigt die Geburt Jesu im Stall, umgeben von einer Schar Engel. Zur Darstellung gehört eine große Schaf- und Ziegenherde, sowie ein pompöser Dreikönigszug mit über 60 Figuren. In einem prächtigen Tempel versetzt der zwölfjährige Jesus, mit seiner Auslegung der heiligen Schriften, die Schriftgelehrten in Erstaunen. Ganz oben im Gebirge, das kunstvoll aus Rinden aufgebaut ist, äsen viele Hirsche. Einmalig sind die zwei „Stückla“ über eine Gams- und eine Fasanenjagd. Auf der Burg, hinter den Zinnen sitzt ein herrschaftlicher Reiter auf seinem Ross. Vielleicht eine Anspielung auf den „Alten Fritz“? Interessant sind auch die zwei Moriskentänzer, bei denen einer, der „Zungenblecker“, seine Zunge herausstreckt. Der Name Moriskentänzer bezieht sich ursprünglich wohl auf maurische Springtänze, die später auch an den großen Höfen aufgeführt wurden.

 

Die über 300 Figuren sind alles Tirschenreuther Kunstwerke, geschaffen ab Mitte des 19. Jahrhunderts von den Bildhauerbrüdern Joseph Hautmann (1813 - 1891) und Sigmund Stock (1822-1899). Einige besonders fein geschnitzte Figuren zeigen die Handschrift des „Berrn Seppl“ (1806 - 1872).

 

12a. Belehrung im Tempel

 

Eigentümer: Familie Fellner, Tirschenreuth

 

Die Krippe der Familie Fellner umfasst etwa 300 handgefertigte Figuren die alle etwa 150 Jahre alt sind. Die Belehrung im Tempel ist eine Darstellung aus dem Lukasevangelium. Jesus war mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen aufmerksam zu und stellte Fragen, und alle wunderten sich über sein Verständnis und seine Antworten. Die Figuren sind Joseph Laurentius Berr, dem „Berrn-Seppl“ (1806-1872) zuzuordnen.

 

12b. Krippenberg der Familie Fellner

 

Eigentümer: Familie Fellner

 

Die Krippe umfasst mehr als 300 handgefertigte Figuren, die nahezu alle mehr als 150 Jahre alt sind. Joseph Laurentius Berr, „Bern-Seppl“ (1806-1872) genannt, sowie die Bildhauer Josef Hautmann (1813-1891) und Sigmund Stock (1822-1899) sind die Schöpfer dieser Kunstwerke. Besonders hervorzuheben sind die „Stückla“, die die Schnitzer mit großem Können fertigten. Das Hintergrundbild zeigt eine italienische Fantasielandschaft des Tirschenreuther Malers Anton Jaghhörl. Die Fellner-Krippe war noch nie öffentlich ausgestellt und zählt so zu den Höhepunkten der Krippenausstellung.

 

12c. Die Hochzeit zu Kana

 

Eigentümer: Fam. Fellner, Tirschenreuth

 

Die Hochzeit zu Kana ist hier neben dem Krippenberg platziert. Das Hochzeitspaar trägt einen Blumenkranz auf seinem Kopf. An diesem Merkmal kann man das Brautpaar in vielen Tirschenreuther Krippen erkennen. Zwischen dem Paar steht Jesus, der gerade sein erstes Wunder vollbringt: Er verwandelt Wasser in Wein.

 

13. Drei Einzelfiguren

 

Eigentümer: Familie Fellner

 

Die Familie Fellner besitzt drei besonders gelungene Figuren-Ensembles im Biedermeierstil (Stückla), die Szenen draußen in der Natur darstellen.

 

Eine Magd holt von zwei Knaben einen Vogel ab, den die Buben, wahrscheinlich in ihrem Auftrag, gefangen haben. Man sieht, dass einer der Jungen noch den Sack hält, in dem gewiss Futter ist, das den Vogel angelockt hat. Das Mädchen trägt einen kleinen Käfig in dem sie das Vöglein nach Hause tragen wird. Die fein herausgearbeiteten Gesichter und die gekonnte Darstellung zeugen vom großen Können des Schnitzers

 

Ein Hirtenpaar sitzt bei seinen Tieren. Während der Mann träumend vor sich hinblickt, beobachtet die Frau interessiert etwas in der Ferne. Die beiden Tiere liegen zufrieden daneben.

 

Ein Pärchen mit Hund hat es sich an einem Baumstamm gemütlich gemacht. Die junge Frau hält einen für die Biedermeierzeit typischen blumenumkränzten Hut in ihren Händen. Hinter ihr steht ein Korb mit Proviant. Der junge Mann liegt neben ihr auf dem Bauch und schaut auf das Hündchen, das wiederum das Mädchen erwartungsvoll anblickt.

 

14. Grulicher Krippe

 

Eigentümer: Olga und Horst Haidl, Tirschenreuth

 

Mit dem Bau der Krippe wurde 2005 begonnen. Horst Haidl ist Egerländer, und so war es ihm ein Anliegen, seiner Krippenlandschaft auch diesen Stil zu verleihen. Anregungen zu seinen Gebäuden hat er in verschiedenen Publikationen gefunden. Das Hintergrundbild hat Erich Werner (1939-2016) aus Tirschenreuth gemalt.

 

Die Figuren selbst sind so genannte „Grulicher Figuren“. Diese wurden von seinem Vater gekauft und zum größten Teil von seiner Mutter bei der Aussiedlung mitgenommen. Ab 2008 begann Haidl die Figuren kontinuierlich zu erweitern, sodass er inzwischen die größte Grulicher Figurensammlung in unserer Region haben dürfte.

 

Besonders originell, die Bergmanns-Kapelle vor einem landestypischen Gebäude. Die Schafe einer Grulicher Krippe sind in der Regel nicht signiert. Den Schnitzer erkannte man früher an der Form und Ausführung des Halsbandes, der so genannten „Grulicher Blumenkette“.

 

Ende des 18. Jahrhunderts, nach dem „Josephinischen Verbot“ entwickelte sich die Schnitzerei im „Grulicher Ländchen“ langsam wieder. Die Nachfrage wuchs im Laufe des 19. Jahrhunderts derart, dass die Herstellung Grulicher Krippen der wichtigste Zweig der Heimindustrie wurde. Die Figuren überschwemmten nicht nur die Märkte der Umgebung, sondern waren in ganz Europa als so genannte „Wiener Ware“ weit verbreitet. Die Grulicher Tradition ging mit Beginn des Zweiten Weltkriegs zu Ende.

 

15. Maurus-Fuchs-Papier-Krippe (Riolini)

 

Eigentümer: Krippenfreunde Tirschenreuth

 

Neben den volkstümlichen Oberpfälzer Krippen mit geschnitzten Figuren aus dem 19. Jahrhundert und neben den populären Brett- und Papierkrippen des benachbarten böhmischen Raumes, ist die hier vorgestellte Krippe des Tirschenreuther Malers Christoph Maurus Fuchs (1771-1848) ein bemerkenswertes Dokument Oberpfälzer Krippenkunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

 

Wie die an anderer Stelle dieses Museums ausgestellten Fuchs’schen Papierkrippenfiguren nahelegen, und wie es auch schriftliche Aufzeichnungen dokumentieren, war dieser Künstler für seine Krippenmalerei bekannt. Vermutlich fertigte er die Figuren während der auftragslosen Winterzeit an. Fuchs besaß offenbar eine Sammlung von Augsburger Kupferstichen, die ihm als Vorlagen dienten. Die in dieser Krippe gezeigten Figuren konnten 1999 und 2015 aus zwei verschiedenen Quellen erworben und vereinigt werden.

 

Um aus diesem Bestand wieder eine vollständige Krippe erstehen zu lassen, wurden Architekturen nach dem Vorbild Augsburger Bilderbibeln und nach Kupferstich-Darstellungen höfischer Festdekorationen des 18. Jahrhunderts rekonstruiert, wobei auch auf die von Fuchs gemalten Arkaden des Blauen Saals in Kloster Tepl zurückgegriffen wurde. Als Vorlage für den gemalten Hintergrund diente das ebenfalls von der Hand dieses Malers stammende Deckenfresko des Blauen Saals. Die nach hinten ansteigend gebaute Landschaft ist eine dezente Imitation des Typus der Oberpfälzer Landschaftskrippe.

 

16. Die Heiligen Drei Könige

… und sie folgten dem Stern

 

Eigentümer: Gerald Röckl, Plößberg

 

Schon 1930 legte Ambros Röckl, der Urgroßvater von Gerald Röckl, den Grundstein für eine Familienkrippe. Die Darstellung wurde seither von Vater Max Röckl und dann von Gerald Röckl selbst Jahr um Jahr um weitere Figuren ergänzt.

 

Dargestellt wird hier ein kleiner Ausschnitt aus der inzwischen sehr umfangreichen Viergenerationen-Krippe. Der Betrachter sieht Kaspar, Melchior und Baltasar, die auf dem Weg nach Bethlehem dem Stern folgen. Die grazilen Pferde und die lebendige Körperhaltung der Heiligen Drei Könige, der imposante Faltenwurf dieser Figuren zeugen von der Professionalität zu der es Gerald Röckl mit seiner Schnitzkunst inzwischen gebracht hat. Die Könige ziehen durch eine ländlich geprägte Landschaft mit weidenden Schafen und einem Hirtenjungen, der gerade versucht, einen Ziegenbock zu besteigen, dem sogenannten „Goaßreiter“.

 

Der akademische Bildhauer Reinhold Hösl aus Plößberg erkannte das Talent von Röckl, nahm ihn schon früh unter seine Fittiche und weihte ihn in die Kunst des Krippenschnitzens ein.

 

17. Landschaftskrippe

 

Eigentümerin: Elisabeth Kahl, Schnackenhof

 

Elisabeth Kahl, in Tirschenreuth geboren und aufgewachsen, hat diese Krippe vor zehn Jahren selbst geschnitzt. Sie umfasst 110 Figuren, die sich in eine bäuerliche einfügen. Die Gebirgslandschaft wird durch besondere Steine wie Bergkristalle oder Amethysten geprägt. Besonders zu erwähnen sind der heilige Hubertus, der Bärentreiber und der Baumfäller. Wohl einmalig ist die Darstellung von Jesus im Schiff auf dem See Genezareth.

 

18. Stiftland-Krippe

 

Eigentümer: Niklas König, Tirschenreuth

 

Die Krippe ist 2020 von Horst Haidl für seinen Enkel Niklas gebaut worden. Der Aufbau ist von ihm nach neuesten krippentechnischen Erkenntnissen erstellt worden.

 

Die Figuren sind von Robert Schneider, Horst Haidl, aber auch „Grulicher Figuren“ sind dabei.

 

Hier findet die Geburt in einem typischen Egerländer Haus, wie sie zuhauf in Bad Neualbenreuth zu finden sind, statt. Oberhalb des Stalls ist eine Zoiglwirtschaft mit Gartenbetrieb. Während die Gäste gemütlich ihrem Vergnügen nachgehen, sorgt der Wirt schon mit einem neuen Fass auf einem Schubkarren für Nachschub. Daneben spielt ein Musikantentrio zur Unterhaltung auf.

 

Das Hintergrundbild hat Atef Shebl gemalt.

 

19. Relief „Du Bethlehem …“

 

Eigentümerin: Karolina Stindl, Tirschenreuth

 

„Du Bethlehem im Lande Juda bist keineswegs die unbedeutenste unter den Städten des Landes, denn aus dir wird der Erlöser hervorgehen … (Micha 5,1; Math 2,6). Dies ist der Tenor des Reliefs von Karolina Stindl.

 

Jesu Geburt, der Stern, die Hirten auf dem Felde mit ihren Schafen …

 

Dann der Sprung ins Heute: Das durch eine Mauer geteilte Bethlehem mit der Geburtskirche, die Symbole der monotheistischen Religionen um Jesus.

 

Dieses Relief aus 2018 ist erste Arbeit der heute 80-jährigen als damals noch unerfahrene Schnitzerin mit Handproblemen. Für sie, angeleitet durch versierte Schnitzer des Vereins, ist Schnitzen eine Meditation.

 

20. Baumschwamm-Krippe

 

Eigentümer: Renate Kühn, Tirschenreuth

 

Auf dem Heimweg von der Jagd entdeckte Leonhard Kühn diesen einmaligen Baumschwamm. Sofort kam ihm die Idee, eine Krippenlandschaft daraus zu fertigen. Das tat er dann auch. Die Figuren dazu schnitze Robert Schneider aus Tirschenreuth. Der Strahlenkranz stammt von dem verstorbenen Pilsener Schnitzer Jaroslav Sekyra, der Herrgott darin von Johann Mack (1946-2005).

 

21a. Jona und der Wal

 

Eigentümer: Renate Kühn

 

Leonhard Kühn (1942-2021) beschloss im Jahr 2000 das Skulptur-Ensemble: Jona und der Wal zu schnitzen. Die Geschichte steht im Alten Testament: „Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie, denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.“ (Jona 1,2) Jona wollte die Mission, die Gott ihm aufgetragen hat nicht erfüllen. Deshalb bestieg er ein Schiff, um wegzufahren. Das Schiff kam in einen schweren Sturm. Jona bat die Besatzung: „Werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden. (Jona 1,12) Gott schickte einen Wal, der Jona verschluckte. Im Bauch des Tieres kam ihm die Einsicht, dass man vor Gott nicht davonlaufen kann. Da spuckte ihn der Wal an den Strand in der Nähe von Ninive. Jona ging nach Ninive und die Menschen gelobten Besserung. Gott verschonte daraufhin die Stadt. In der Darstellung von Leonhard Kühn wird der Augenblick dargestellt, als Jona vom Wal wieder ausgespuckt wird.

 

21a. Kastenkrippe

 

Eigentümerin: Renate Kühn, Tirschenreuth

 

Eine Kastenkrippe wird in ein Kästchen mit Rahmen gebaut. Die Frontseite ist durch eine Glasscheibe abgeschlossen. Eine Kastenkrippe muss nur einmal arrangiert werden und kann dann jedes Jahr zur Weihnachtszeit, mit wenigen Handgriffen, wieder aufgestellt werden. Die schrägen Seitenwände geben dieser Krippe eine interessante Perspektive. Der Hintergrund zeigt eine, in Pastellfarben gemalte Phantasielandschaft. Das Leben der Menschen wird in einer zerklüftete Felsenlandschaft dargestellt. Die Flora wird von südländischen Pflanzen geprägt. Das Heilsgeschehen ist in einer schützenden Grotte zu sehen.

 

21b. Landschaftskrippe

 

Eigentümer: Familie Günter Kopf, Tirschenreuth

 

Günter Kopf ließ vor ca. 40 Jahren vom Falkenberger Schnitzer Johann Mack (1946 - 2005) eine Krippe schnitzen. Dieser fertigte die Figuren nach eigenen Ideen. Bei zwei Figuren, dem Flötenspieler und der Flucht nach Ägypten diente die Papierkrippe von Maurus Fuchs (1771-1848) als Vorlage. Natürlich darf auch in dieser Krippe der „Goaßreiter“ nicht fehlen. Die Geburtsszene findet in einer Felsenhöhle statt. Die Landschaft könnte alpenländisch aber auch ein Mittelgebirge sein. Gebaut wurde sie von Günter Kopf.

 

22. Dr. Turba-Krippe

 

Eigentümer: Familie Magda Heinrich, Tirschenreuth

 

In der Krippe der Familie Heinrich ist eine große Vielfalt an Krippenfiguren mit den unterschiedlichsten Motiven zu finden.

 

Unter anderen kann man eine Spinnstube entdecken. Zwei Frauen bearbeiten fleißig die Wolle. Die Großmutter sitzt mit den Enkeln dabei. Die Kinder sehen die alte Frau ganz gebannt an. Offensichtlich erzählt sie ihnen eben eine spannende Geschichte.

 

Zwei Raufbolde, die von drei Zuschauern beobachtet werden bilden ein Ensemble. Einer der beiden Kontrahenten fällt soeben rückwärts auf den Boden während sein Gegenspieler im Augenblick die Oberhand hat und den Kampf wahrscheinlich für sich entscheiden kann.

 

Imposant und eher selten in Tirschenreuther Krippen zu finden sind der Bärentänzer, die Wasserträgerin und das Holzfuhrwerk. Der ruhende Schäfer dürfte in Anlehnung der Papierkrippe von Maurus Fuchs entstanden sein.

 

23. Schiedeck-Krippe

 

Eigentümer: Hans Schiedeck, Tirschenreuth

 

In den Jahren 2016 / 2017 hat der Schnitzer Hans Schiedeck eine kleine moderne Krippe geschaffen. Sie besteht aus neun Figuren und sieben Tieren.

 

Damit das Lindenholz, aber auch die Schnitzkunst, in besonderer Weise zur Geltung kommen, blieben die Figuren ungefasst (naturbelassen).

 

Ein großer Stern, mit ausgeprägtem Schweif, steht über der Heiligen Familie. Umgeben wird die Krippenszene von ausdrucksvollen Figuren, wie dem Schafscherer, einem Holzdieb und weiteren Figuren und Tieren. Den Goaßreiter hat Hans Schiedeck nach der Papierkrippe von Maurus Fuchs geschnitzt. Zwei Lämmer tanzen freudig vor der Krippe.

 

24a. Orientalische Krippe

 

Eigentümer: Rainer Haidl, Tirschenreuth

 

Diese Krippe ist 2005 von Horst Haidl für seinen Sohn Rainer gebaut worden. Obwohl es für ihn vor 18 Jahren der Einstieg in die Welt der Krippen war, entstand doch ein ansehnliches Gebäude. Das Hintergrundbild, ein Druck, ist dazugekauft worden.

 

Die Figuren sind typische „Grulicher“. Teilweise sind es alte, von seinem Großvater, aber auch dazugekaufte, handgeschnitzte „Mandla“ aus dem Internet.

 

24b. Möstl-Madonna

 

Eigentümer: Familie Ralf Möstl, Tirschenreuth

 

Diese Skulptur zeigt die Madonna mit dem Christuskind auf ihrem Arm. Der Bankkaufmann Hans Möstl (1929-2019) schnitzte im Jahre 1985 aus einem Rohling diese Figur und fasste sie. Die fein herausgearbeiteten Gesichter von Maria und dem Jesuskind zeigen, wie professionell der Autodidakt sein Handwerk beherrschte. Seine große Liebe zur Malerei erkennt man bei dieser Figur an der treffsicheren Wahl der ausgesuchten Farben.

 

25. Froschauer-Krippe

 

Eigentümerin: Maria Rother, Tirschenreuth

 

Ebenfalls eine alte Tirschenreuther Krippe aus dem 19. Jahrhundert stand einmal in der Badstraße. Sie wurde aber vor Jahren aufgeteilt. Ein Teil ging nach Würzburg, ein Teil nach Kanada, und der Rest verblieb in Tirschenreuth.

 

Es sind wunderschöne „Stückla“, die größtenteils von Joseph Berr (1806-1872) dem „Berrnseppl“ stammen. Hirten- und Jagdszenen bestimmen das Bild. Alle im typischen Berr-Stil geschnitzt. Aber auch mit Figurenkombinationen aus der Papierkrippe sind oft Ähnlichkeiten festzustellen. Eine Szene, nicht im Berr-Stil, ist der „Unkrautsäer“. Die Darstellung zeigt einen pflügenden Bauern, hier Bäuerin, mit einem Ochsengespann. Daneben geht der Teufel und sät sein Unkraut aus. Die Szene, „Das Gleichnis vom Sämann“, ist aus dem Matthäus-Evangelium (13, 18-23.) Dieses Stückl befindet sich auch in der Schricker Krippe (Nr. 37).

 

Der „Goaßreiter“ darf in keiner heimischen Krippe fehlen. Hier wird die Darstellung von hinten gezeigt, wie sie auch in der Papierkrippe von Riolini zu finden ist: Gelbe Hosen, rotes Wams, schwarzer Hut.

 

Berr hat sich, wie viele andere Schnitzer vor und nach ihm auch, von den Figuren der Papierkrippe sehr beeinflussen lassen.

 

26. Kunz-Krippe Wondreb

 

Eigentümer: Susanne und Lothar Kraus, Neustadt

 

Die Kunz-Krippe ist zwischen 100 und 120 Jahre alt. Sie gehörte Alois und Anna Kunz aus Wondreb. Der Hausname der Familie war „Gowerl“. Etwa 35 Mandla und 22 Schafe und Ziegen hat der Schnitzer Josef Wolfrum (1885-1964) für diese Krippe geschaffen. Einige Figuren tragen Jahreszahlen von 1904 bis 1921.

 

Um mit möglichst vielen Häusern eine Stadt darzustellen, wurden die Häuser auf Holzscheite gemalt, die man mit einem Spieß in den Krippenberg stecken konnte. In dieser Krippe sind auch Teile der Hochzeit zu Kana zu sehen. Seltene Motive sind der Mönch der zum Gebet läutet, ein Müller bei seiner Mühle, eine Ochsentränke und ein Bierzapfer.

 

Das letzte Mal wurde die Krippe in der Krippenschau 1987/88 in Tirschenreuth gezeigt.

 

27. Winterkrippe

 

Eigentümer: Heinrich Brunner, Friedenfels

 

Auch in dieser Krippe wird die Geburt Christi im ländlichen Ambiente dargestellt. Der Stall besteht aus Holz, das mit einem Schnitzmesser gespalten wurde.

 

Die Eiszapfen hat ein Glasbläser aus Waldsassen angefertigt. Beim Bau der Krippe wurde geschickt Tiefenwirkung erzeugt, indem die Holzhütte kleiner gefertigt ist, und Heinrich Brunner das Hintergrundbild, das Richard Böhm (1935-2015) malte, u-förmig einbaute. Die Krippe wurde nach modernen Regeln der Krippenbaukunst gefertigt, die sich von den historischen Tirschenreuther Krippen deutlich unterscheidet. Sie ist mit einem Sternenhimmel durch Lichtleiterkabeln und einer Schaltung von Tag - und Nacht-Stimmung ausgestattet.

 

Die Figuren sind sogenannte „Ankleide-Figuren“, die im heimatlichen, rustikalen Stil gefertigt sind. Dabei handelt es sich um Ausführungen, die die traditionelle Holzschnitzerei und Malerei mit modernen Verarbeitungstechniken ergänzt und Kunstwerke schafft, die in ihrer Art und Ausführung einzigartig sind. Die Kleidung der Figuren wird mit getränktem Stoff in Form gebracht, getrocknet und handbemalt. Nach der Bemalung werden Köpfe, Hände und Kleidung patiniert.

 

28. Ernst-Gleißner-Hauskrippe

 

Eigentümerin: Liselotte Kulzer, Tirschenreuth

 

Auch die Familie Gleißner besaß einmal eine Krippe aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings wurde diese, als das Haus Maximilianplatz 28 im Jahre 1989 durch Brandstiftung niederbrannte, völlig zerstört.

 

Max Gleißner (1919-1993) ließ die Original-Figuren, die zum größten Teil in seinem Archiv als Fotos vorhanden waren vom Tirschenreuther Schnitzer Johann Mack (1946-2005) nachschnitzen. Leider konnte der Auftrag wegen des Todes von Mack nicht fertiggestellt werden, sodass die Krippe nicht vollständig ist.

 

So sind nur die Geburt, Teile des Königszugs, die Beschneidung, die Flucht nach Ägypten und einzelne Figuren, wie der „Bedlmoa“, der Kaminkehrer, der Kraxnträger und der Brückenschleicher nachgeschnitzt worden. Jedoch ist der Stil von Johann Mack bei einigen Szenen sehr stark ausgeprägt.

 

29. Orientalische Krippe klein

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Der Krippenschnitzer und Krippenbauer Robert Schneider schenkte 2022 seine kleine Orient Krippe den Krippenfreunden. Sie ist eigentlich die „Urfassung“ seiner großen Orientalischen.

 

Die Landschaft, der Ort Bethlehem und alle Figuren sind im orientalischen Stil gefertigt. Die Objekte wurden von Robert Schneider geschnitzt und auch gefasst. Das Hintergrundbild zeigt eine Wüstenlandschaft, in der eine typische Stadt aus dem Nahen Osten hineingebaut ist. Plastische, mehrstöckige Kuppelbauten ergänzen das Bild räumlich. An einem Turm schließt sich ein ärmliches Gebäude, der Stall, an. Über ihm schweben zwei Engel. Durch einen breiten steinernen Torbogen gelangt man in den Stall. Dargestellt sind neben der Heiligen Familie auch die Heiligen Drei Könige. Aus der Stadt kommen Hirten mit ihren Tieren zum Stall. Zwei Palmen verstärken den Eindruck im Orient zu sein. Im Vordergrund fasst eine kleine Steinmauer die ganze Szene ein.

 

30. Landschaftskrippe

 

Eigentümer: Familie Ralf Möstl, Tirschenreuth

 

Hans Möstl (1929 -2019) versuchte sich schon kurz nach dem Krieg im Schnitzen. Im Jahre 1978 machte er dann sein Hobby zur Passion. Der Künstler war Autodidakt. Sein Stil war eigentlich der Tiroler Art Figuren zu fertigen näher als der alten Tirschenreuther Schnitzweise. Vom Hintergrundbild, über den Aufbau der Krippe bis hin zur Fassung seiner Figuren hatte Hans Möstl alles selbst gemacht.

 

In diese Krippe stehen etwa 70 Figuren. Vor etwa 40 Jahren schnitzte der Bankkaufmann sein Meisterwerk. Der Wunsch nach einer eigenen Krippe wurde bei Hans Möstl schon in der Kindheit geweckt, als er mit seinem Großvater zum „Krippenschaua“ ging.

 

31. Orientalische Krippe

 

Eigentümer: Robert Scharnagl, Tirschenreuth

 

Das Besondere an dieser Krippe ist, dass sie weitgehend aus einem Gebäudekomplex besteht. Die vom Besitzer selbst geschnitzten Figuren sind nach Szenen aus den Evangelien entstanden. Die Geburt Jesu ist in den Vordergrund gerückt. Maria hält Jesus in den Armen, während Josef sie zärtlich berührt. Im Hintergrund ist das Gespräch zwischen Jesus und der Frau am Jakobs-Brunnen dargestellt. (Joh. 4, 1-42) An anderer Stelle erklärt Jesus den Jüngern seine Gleichnisse. Ebenso wurde das Gespräch mit Jesus, Maria und Martha geschnitzt (Lk. 10, 38-42). Der schwangeren Maria wird bei der Herbergssuche vom Wirt eine Unterkunft verwehrt. Er zeigt dem Paar aber den Weg zur Geburtsgrotte. Den staunenden Hirten wird vom Engel des Herrn die frohe Botschaft der Geburt verkündet. (Lk. 2, 8). Eher selten ist in einer orientalischen Krippe der Goaßreiter zu entdecken. Die Ziege wehrt sich, indem sie am linken Hosenbein des Buben zerrt.

 

Das Hintergrundbild, die Landschaft und die Figuren sind alle aus der Hand, von Robert Scharnagl. Auch deshalb wirkt alles wie aus einem Guss.

 

Eine kleine Finesse hat der Erbauer der Krippe auch gleich mit eingebaut: Blickt man durch den Eingang in das Gebäude, entsteht durch Spiegelung der Eindruck, als ob dieses sehr weiträumig wäre.

 

32. Hohenwalder Heimatkrippe

 

Eigentümer: Familie Alfons Möhrlein, Hohenwald

 

Drei Elemente beherrschen die Krippe: Das Elternhaus von Alfons Möhrlein, das Hirthaus und der Wolfenstein.

 

Das Elternhaus links, existiert in dieser Art heute nicht mehr, so hat es in seiner Kindheit ausgesehen. In der Scheune findet die Geburt statt. Davor Hirten und Bauersleute aus Hohenwald, und in der Mitte weist der Sterndeuter zum Kindlstern hoch über den Dächern. Daneben das 200 Jahre alte Hirthaus. Rechts der Wolfenstein, ein sagenumwobener Findling in unmittelbarer Nähe des Dorfes. Eine Leiter vereinfacht das Besteigen des Felsens, denn das Benutzen der eingeschlagenen Kerben erfordert schon Geschick und etwas Mut. Einer Sage nach öffnet sich am Palmsonntag, während der Heiligen Messe unter dem Felsmassiv eine Schatzkammer, gefüllt mit Gold und Silber. Davor die Henrichn-Kapelle mit ihrem roten Dach. Vor ihr eine betende Familie. Daneben die Tochter Madeline mit ihrem Akkordeon.

 

Das Hintergrundbild, es zeigt das Dorf um 1960, hat der verstorbene Künstler Erich Werner (1939-2016) gemalt. Die Figuren wurden von Gertrud Möhrlein gefasst.

 

Es lohnt sich, das Geschehen in der Krippe einmal genauer zu betrachten. Hier finden wir viele „Mandla und Stückla“, die in keiner Tirschenreuther Krippe fehlen dürfen. Da ist ein paarmal der „Goaßreiter“ in verschiedenen „Aufstiegsvariationen“ zu finden, der Brückenschleicher, der „Bedlmoa“, der Müller, der den Fuchs vertreibt und noch einige andere mehr, man muss eben genau hinschauen.

 

33. Kastenkrippe

 

Eigentümer: Rainer Christoph, Weiden

 

Die Krippengestaltung und den Bau der Landschaft hat Rainer Christoph 1995 selbst vorgenommen. Es ist eine sehr persönliche Krippe, denn an den Seitenwänden sind Motive mit Stationen seines bisherigen Lebens. So ist die Häuserzeile aus seinem Geburtsort Weiden. Links der „Alte Herrgott“, daneben das Tirschenreuther Rathaus. Tirschenreuth war der Ort, an dem er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Rechts die Kirche mit dem Schulhaus aus Altenstadt. Hier war Christoph 25 Jahre Rektor.

 

Das Tuffgestein stammt vom Ätna auf Sizilien.

 

Die Figuren sind von Hans Mack (1946-2005) und Robert Schneider aus Tirschenreuth sowie Hans Schieder aus Plößberg und Jaroslav Sekyra aus Pilsen.

 

34. Orientalische Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde Tirschenreuth

 

Orientalische Elemente sind in vielen alten Tirschenreuther Krippen enthalten. Doch rein orientalische Landschaftskrippen werden erst in den letzten Jahren von unseren Krippenfreunden geschnitzt und gebaut. Robert Schneider begann 2001 mit dem Bau dieser Krippe. Inzwischen ist daraus eine ganz ansehnliche Nillandschaft mit den dazugehörigen Figuren geworden. Die Besonderheit: Einige Tirschenreuther „Mandla“, wie der Bettler, finden sich hier als orientalisch gestaltete Figuren wieder. Auch die Marktszene, die einem Basar nachempfunden wurde, verdient Beachtung.

 

35. Finsterbeck-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Wie alt diese Krippe und wie groß sie einst einmal gewesen ist, weiß heute keiner mehr. Sie war Jahrzehnte wohl verpackt auf dem Dachboden der Familie Schneider in der Hospitalstraße gelegen. Die meisten der alten Figuren stammen wohl aus dem 19. Jahrhundert. Sie ist mit ihren fünf Szenen eine der typischen Simultankrippen, wie sie in Tirschenreuth üblich sind. Robert Schneider war die Anzahl der Figuren zu gering. Er begann neue dazu zu schnitzen. Jetzt findet sich mancher Nachbar als „Mandl“ in der „Finsterbeck Krippe“ wieder. Interessante Szenen der Krippe sind die Hochzeit zu Kana und die beiden alten Verkündigungsengel mit barocken Füllhörnern. Reizvoll dürfte der Marktplatz vorne sein. Auf ihm tummeln sich bekannte Tirschenreuther Persönlichkeiten, darunter natürlich auch der Bürgermeister. Einige, wie der Hackerschmied, das Wirtspaar Preisinger und der Falkenberger Burgschauspieler Herrmann Zeitler sind leider schon verstorben.

 

Die Krippe ist seit 2016 in Besitz der Krippenfreunde Tirschenreuth.

 

36. Hochzeit zu Kana aus der Heldmann-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Nach dem Tod des Kanzleirats und Ehrenbürgers der Stadt, Franz Josef Heldmann (1866-1931), wurde die Krippe unter den Nachkommen aufgeteilt und dadurch eine Aufstellung in ihrer Gesamtheit unmöglich gemacht Ein besonderes Schmankerl jedoch ist die Hochzeit zu Kana mit ihrem Palast und dem Lustgarten mit den Göttergestalten.

 

Der Palast und die Figuren aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, könnten von den Brüdern Josef Hautmann (1813-1891) und Sigmund Stock (1822-1899) stammen.

 

In ihm befindet sich die Hochzeitsgesellschaft um Jesu in orientalischen Gewändern. Die anderen Gäste tragen die Tracht des Bürgertums. Diese Unterscheidung findet man bei fast allen Tirschenreuther Hochzeiten. Während es in der Hochzeitsgesellschaft eher steif zugeht, wird bei den Gästen gezecht und mit Bier angestoßen. Im Hintergrund wird gerade ein Schwein gevierteilt, und das bei einer jüdischen Hochzeit, ein Rind erschlagen, und an einem Ofen wird aufgekocht.

 

Im Tempel findet das erste Wunder Jesu statt: Das Wasser in den sechs Krügen wird zu Wein verwandelt. Vor dem Palast ist ein Rokoko-Garten angelegt. Zwischen den, mit Lineal angelegten Beeten, sind Götterfiguren postiert. Asklepios mit der Schlange, Poseidon mit seinem Dreizack, und Herkules. In der Mitte thront Neptun auf einem Hippokamp, einem Tier aus der griechischen Mythologie, halb Pferd, halb Fisch. Diese Art von Herrschaftsgärten findet man nur in Tirschenreuther Krippen. Sie sind mit großer Wahrscheinlichkeit von der Tirschenreuther Papierkrippe übernommen worden. Auf der linken Seite spielt gerade ein Orchester auf. Die Kleidung mit den Zylindern weist wohl auf die Biedermeierzeit hin. Eine kleine Besonderheit, welche man in anderen Krippen nicht findet, ist der Hochzeitslader am Eingang zum Garten.

 

Die Hochzeit zu Kana ist die letzte Szene in den Tirschenreuther Simultankrippen. Sie wird am zweiten Sonntag nach Erscheinung (Epiphanie) aufgebaut und schon zwei Wochen später, zu Lichtmess mit der gesamten Krippe wieder abgeräumt.

 

37. Schricker-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Nach vielen Jahren kehrte diese Krippe in ihre Heimatstadt zurück.

 

Frau Helga Thiel aus Solingen wollte, dass ihre Krippe wieder als ständige Leihgabe nach Tirschenreuth zurückfindet. Die Krippe war bereits in der fünften Generation in Familienbesitz. Sie schlummerte jedoch mehrere Jahrzehnte auf dem Dachboden der Familie. Entstanden dürfte sie Mitte des 19. Jahrhunderts sein. Der Schreinermeister Franz Xaver Schricker ließ sie damals anfertigen. Auch sein Sohn Michael teilte mit ihm die „Krippenbegeisterung“ und fertigte den wunderschönen Tempel für die Beschneidungsszene an. Auf der Rückseite sind noch seine Insignien M. Sch. und das Jahr 1888 zu sehen. Dessen Enkel, Otto Schricker, nahm sie mit nach Regensburg und vererbte sie seiner Tochter Helga Thiel.

 

Die Schrickers wohnten damals gegenüber dem Museum in der Regensburger Straße. Einer ihrer Nachbarn war Sepp Berr (1806-1872), ein bedeutender Schnitzer unserer Stadt. Wen wundert´s, dass viele Figuren aus seiner Hand stammen.

 

Ein eher seltenes Stückl ist in dieser Krippe auch zu finden: Ein Bauer pflügt seinen Acker, während der Teufel neben ihm Unkraut in die Furchen sät; eine Szene aus dem Matthäus-Evangelium (13, 18-23). Dieses Motiv ist auch in der Froschauer Krippe (Nr. 25) zu finden. Typisch für Tirschenreuther Krippen sind die Pagen, die die Heiligen Drei Könige begleiten.

 

Durch die lange Lagerung auf dem Dachboden sind die Figuren etwas in Mitleidenschaft gezogen worden. Restauriert wurden sie von Christa Lauterbach (Geburt und Engel) und von Robert Schneider (alle anderen Figuren).

 

38. Hörmann-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Diese Krippe befand sich viele Jahre außerhalb Tirschenreuths. Nach mehreren Stationen quer durch Deutschland kehrte sie am 01. Dezember 1998 wieder in ihre Heimatstadt zurück. Leidenschaftliche Krippenfreunde erwarben sie für das Krippenzimmer im MuseumsQuartier.

 

Die Hörmanns waren im 18. und 19. Jahrhundert ein bedeutendes Bürgergeschlecht unserer Stadt. Ihr Stammhaus war das „Ruffing-Haus“ am oberen Marktplatz, dem heutigen Neubau des Rathauses, gleich neben der Kirche.

 

Auch der gesamte Gebäudekomplex, in dem das heutige MuseumsQuartier untergebracht ist, wurde unter großem finanziellem Aufwand von Alois Hörmann (1807-1874) und dessen Schwager Kaspar Lindner gebaut. Damit verbunden war das so genannte Hörmann-Lindner´sche Beneficium (1864).

 

Die Hörmanns, Hausladen in der Nachfolgegeneration, waren größtenteils Beamte. Mit ihnen wanderte die Krippe mit jeder Versetzung quer durch Deutschland.

 

Heidi Hausladen, von der die Krippe übernommen wurde, über die weihnachtliche Familientradition: „Mein Mann baute die Krippe jedes Jahr auf. Auch sein Vater tat es, ausgenommen im Krieg. Und die Generationen vorher taten es ebenso. Wir stellten Kerzen mitten unter die Figuren. Manche Figuren sind deshalb verkohlt …“

 

Vom Stil her dürften viele Figuren von Josef Berr (1806-1872) stammen. Seine charakteristischen Merkmale: Hagere Gesichter, vorgerückte Bärte rote Oberlidstriche bei Personen, damit das Gesicht lebendig wirkt.

 

Die Krippe besteht noch aus 112 Figuren.

 

39. Maurus-Fuchs-Papier-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Eine imposante Vorstellung, wenn man davorsteht, ist die Tirschenreuther Papierkrippe.

 

Sie war Jahrzehnte lang im Besitz der Familie Siller (Hautsch) und kam über Umwegen, im Jahre 2006, als ständige Leihgabe zu den Krippenfreunden Tirschenreuth. Sie besteht aus ca. 140 ausgeschnittenen Figuren aus Pappe, einen halben bis zwei Millimeter stark und bis zu 15 Zentimeter hoch. Die einzelnen Figuren sind in leuchtenden Farben gemalt, mit Gesten und Gebärden als ob sie lebten.

 

Die Krippe könnte von dem Tirschenreuther Kirchenmaler Maurus Fuchs (1771-1848) gefertigt worden sein. Bestätigt ist dies jedoch nicht. Sicher ist allerdings, dass viele Motive daraus im Original von anderen Künstlern, wie den Augsburgern Georg Hertel (1700-1755) und Esaias Nilson (1721-1788) stammen. Ein damals schon übliches Prozedere, das auch die Schnitzer anwendeten.

 

Die Entstehung der Figuren lässt sich in etwa bestimmen. Zwar sind sie weder signiert noch mit einem Datum versehen, doch das zur Versteifung benutzte Papier kann eindeutig zugeordnet werden. Es sind Zeitungsausschnitte und Aufschriften aus alten Steuer- und Haushaltsbüchern sowie offizielle Schreiben von Stadt- und Landgericht. Die darauf vermerkten Jahreszahlen gehen von Anfang des 19. Jahrhunderts bis ca. 1830. Es ist anzunehmen, dass in diesem Zeitraum die Krippe gefertigt wurde.

 

40. Stadt-Krippe

 

Eigentümerin: Stadt, Tirschenreuth

 

Weil es bis 1989 nicht gelungen war, eine alte Tirschenreuther Krippe zu beschaffen, initiierte der „Historische Arbeitskreis“ unter Max Gleißner (1919-1993), die Papierkrippe nachschnitzen zu lassen. Der Tirschenreuther Johann Mack (1946–2005) erhielt den Auftrag, die Papierfiguren in kleine Plastiken umzusetzen, was ihm auch außerordentlich gut gelang. Die Fertigstellung dauerte von 1989 bis 1992. Die Figuren wurden von Walfriede Brandl gefasst, auch das Hintergrundbild stammt von ihr. Die Landschaft bauten Heinrich Brunner und Robert Scharnagl.

 

Da diese beiden Krippen nebeneinander aufgestellt sind, können die nachgeschnitzten Figuren gut mit den Originalen verglichen werden.

 

41. Porzellan-Krippe

 

Eigentümerin: Stadt Tirschenreuth

 

Die Porzellan-Krippe, eine Nachbildung der berühmten Schwanthaler-Krippe, dessen Original in der Pfarrei in Pram/Oberösterreich zu sehen ist, ist ein Geschenk der Firma Hutschenreuther an die Stadt Tirschenreuth zum 150-jährigen Bestehen der Fabrik, im Jahre 1988.

 

Geschaffen hat das Original Johann Peter d. Ä. Schwanthaler (1720-1795), der Hauptmeister des Rokokos im Innviertel. Er schuf 1770 das so genannte sechsteilige Pramer Krippenwerk, bestehend aus der Anbetung der Hirten, der Anbetung der Könige, der Beschneidung Christi, dem Bethlehemitischen Kindermord, der Flucht nach Ägypten und der Hochzeit zu Kana, geschnitzt aus Lindenholz. Das Werk wird auch als „Die letzte Blüte der Rieder Schwanthaler“ bezeichnet.

 

Unsere Krippe besteht aus Teilen der Anbetung der Hirten und der Anbetung der Könige. Die Tempelruine dazu baute Günter Stammwitz aus Tirschenreuth.

 

Übrigens, Schwanthaler hielt sich von 1756 bis wahrscheinlich 1759 in unserer Region auf. Bevor er zurück nach Ried ging, heiratete er die Bauerstochter Anna Maria König (1749-1804) aus Wondreb.

 

42. Böhmische Glas-Dom-Krippe

 

Eigentümer: Krippenfreunde, Tirschenreuth

 

Die Krippenfreunde Tirschenreuth bekamen die Grulicher Glas-Dom-Krippe im Sommer 2023 von Monika Werner geschenkt. Erich Werner (1939-2016) hatte die Krippe vor ca. 20 Jahren auf einem Antiquitätenmarkt in der Nähe von Pilsen gekauft. Im Glaszylinder wurde unten eine Bergwerkszene eingebaut. In den folgenden Etagen sind die Geburtsszene, die Heiligen Drei Könige, die Hirten mit ihren Schafen und ganz oben die Stadt mit ihren Bewohnerne zu bestaunen. Da der Glas-Dom beschädigt war, besorge Benno Krottenthaler aus Plößberg einen neuen Glassturz aus Italien und brachte ihn fachgerecht, zusammen mit Horst Haidl, an. Grulich, das heutige Králiky, wurde Ende des 18. Jahrhunderts zu einem Zentrum der Krippenschnitzer.

 

Impressum:

Texte: Wolfgang Fischotter, Marianne Stangl
Fotos: Wolfgang Fischotter
10, 26, 27, 44 Thomas Sporrer
24b, 30 Ralf Möstl
21b Kopf
Layout: Wolfgang Fischotter, Ralf Möstl